Offener Brief an die Sponsoren der „La Familia Fightnight“ am 28.04.2018 in Halle: Neonazis als Teilnehmer der „Fightnight“ geplant.

Uns erreichte heute von gegenneonazisimkampfsport(at)riseup.net folgender Brief:

Offener Brief an die Sponsoren der „La Familia Fightnight“ am 28.04.2018 in Halle:
Neonazis als Teilnehmer der „Fightnight“ geplant.

Werte Sponsoren der „La Familia Fightnight“,

am 28. April soll die sogenannte Fightnight der Kampfsportschule „La Familia“ unter dem Motto „Krieger des Nordens“ in Halle stattfinden. Im Rahmen des Events sollen mindestens 16 Kämpfe stattfinden. Unter den 32 Kämpfern und Kämpferinnen gibt es jedoch mindestens fünf bekannte Neonazis. Vier von ihnen (Paul Hoffmann, Timo Feucht, Markus Kottke und Lars Heine) waren nach Informationen mehrerer Internetseiten an den Angriffen auf den Leipziger Stadtteil Connewitz am 11. Januar 2016 beteiligt. Gegen einen Großteil der damals 215 Angreifer laufen noch heute Ermittlungsverfahren [1][2][3].

Am auffälligsten aber ist die Biographie des als Kämpfers angekündigten Martin Bissinger, der ausgerechnet für den veranstaltenden Verein „La Familia“ in den Ring steigen soll. Bei ihm handelt es sich, entgegen der Angaben des Veranstalters, nicht nur um ein „Talent des Vereins“, sondern vor allem um einen Neonazi. Bissinger war bis mindestens 2016 einer der führender Kader der neonazistischen Partei „Der III. Weg“ in Bayern. Seitdem bewegt er sich im Umfeld der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ (IB), zu der er auch in Halle Kontakte pflegt.

Bis 2016 war der aus Augsburg stammende Bissinger Stützpunktleiter von Schwaben der neonazistischen Kleinstpartei „Der III. Weg“. Bei dieser handelt es sich um eine Partei, die sich offen positiv auf den Nationalsozialismus bezieht und in dessen Tradition einen aggressiven Antisemitismus propagiert. Die Partei will einen „deutschen Sozialismus“
mit einer „raumgebundenen Volkswirtschaft“ schaffen und nebenbei nicht nur aus der EU austreten, sondern auch Deutschland auf die Grenzen des Deutschen Reiches von 1939 ausweiten [4]. Am 9. April 2016 war Martin Bissinger vermutlich Anmelder einer Demonstration der Partei in Ingolstadt, bei der er neben dem Verlesen der Auflagen eine Rede hielt. Auf der Demonstration wurde neben „Arbeitsplätze zuerst für Deutsche“
auch die Parole „Nationaler Sozialismus jetzt“ gerufen [5].

Im Sommer desselben Jahres ist Bissinger auch mehrmals auf Videos einer sogenannten Sommeruniversität des französischen Ablegers der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ zu erkennen. Dort nahm mit Philipp Thaler auch einer der exponierten Kader des halleschen „IB“- Ablegers „Kontrakultur Halle“ teil, mit dem Bissinger 2014 im Umfeld der Kameradschaftsszene des „Freien Netzes Süd“ (FNS) aktiv war.

Seit 2017 taucht Bissinger nun als Kämpfer bei „La Familia“ auf. Hinsichtlich politischer Aktivitäten hält er sich öffentlich, vermutlich auch in Hinblick auf seine Vergangenheit und sein Engagement bei „La Familia“, bedeckt. Jedoch lassen sich über soziale Medien vielfältige Verbindungen zu Kadern der „Kontrakultur Halle“ nachweisen. Zudem dürfte es kein Zufall sein, dass er Tür an Tür mit dem oben genannten Philip Thaler wohnt. Auch Bissingers Partnerin Anne Blaue war 2017 im Umfeld des Leipziger Ablegers der „Identitären Bewegung“ um Alexander Kleine aktiv, hat ihre politische Tätigkeiten offensichtlich zugunsten ihres sportlichen Engagements bei „La Familia“ zurückgefahren, sie tauchte jedoch zuletzt wieder auf Fotos aus dem Identitären Hausprojekt in der
Adam-Kuckhoff-Straße 16 in Halle (Saale) auf [6].

Wir möchten zusammenfassen: Am 28. April 2018 tritt bei der von Ihnen unterstützten „La Familia Fightnight“ der Neonazi Martin Bissinger für das Team von „La Familia“ an. Zusätzlich sollen dort mindestens vier weitere Personen auftreten, die mehrfach an gewalttätigen Übergriffen auf politische Gegner und am massiven Angriff von Neonazis und rechtsextremen Hooligans auf Connewitz im Januar  2016 beteiligt waren. Schon der Titel des geplanten Events – „Krieger des Nordens“ – deutet auf ein seltsames Verständnis europäischer Geschichte hin, lässt aber reichlich Spielraum zur Interpretation. Diesen gibt es aber nicht mehr, wenn neonazistische Gewalttäter als vermeintlich neutrale Sportler präsentiert werden und sich als überlegene „Krieger des Nordens“ inszenieren können.

Die Verbindungen der Kampfsportschule „La Familia“ zu militanten Neonazis haben erst kürzlich dazu geführt, dass die „Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg“ die Zusammenarbeit mit „La Familia“ beendet hat. So teilte das Universitätssportzentrum am 12. April 2018 mit, dass die Zusammenarbeit mit „La Familia“ mit sofortiger Wirkung eingestellt wird.

Wir fordern alle Sponsoren daher auf, ihre finanzielle Unterstützung der Fightnight am 28. April 2018 einzustellen und die weitere Förderung der Kampfsportschule „La Familia“ zu überdenken. Wir fordern Sie auf, sich klar gegen die Unterstützung neonazistischer Kader zu positionieren.

Für Rückfragen erreichen Sie uns unter folgender Mailadresse:
gegenneonazisimkampfsport(at)riseup.net

[1]
http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Hooligan-Angriff-von-Connewitz-Ermittlungen-ziehen-sich-hin
[2]
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-09/leipzig-connewitz-angriff-npd-neonazisrandale
[3]
https://le1101.noblogs.org/post/2017/01/11/ereignis-11-01-2016-leipzig/
[4]
https://www.vice.com/de/article/ne43qm/welche-gefahr-von-der-neonazi-partei-der-iii-wegausgeht
[5]
https://reflektierter-bengel.de/der-iii-weg-marschiert-durch-ingolstadt/
[6]
https://lsa-rechtsaussen.net/ein-identitaeres-haus-fuer-die-kontrakultur-halle

zu Alexander Kleine:

https://ibster.noblogs.org/aktualisierter-uberblick-der-identitaren-bewegungleipzig

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